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 Haifisch-Kinder

 Song-Texte 1985 – 1992

 

Bertolt Brecht 1898-1956  zu Ehren

Die Moritat von Mackie Messer

aus der Dreigroschenoper (1928) von Bertolt Brecht

 

 

Nach der Melodie der Moritat von Mackie Messer

aus der Dreigroschenoper  (1928)

von Bertolt Brecht … zu singen!

 

1

 Denn das Leben

ist ein Sterben,

und es endet

mit dem Tod -

 

und dann freu'n sich

all die Erben,

denen bald das

gleiche droht ...

 

2

 denn der Raum stellt

niemals fragen,

weil die Zeit sich

selber frisst -

 

und so musst du

es ertragen,

dass dein Zeitraum

sinnlos ist ...

 

3

 denn das Glück gibt's

nur auf Raten,

von den Zinsen

rasch ergraut -

 

bis der Steinmetz

unsre Daten

auf den kalten

Marmor haut ...

 

4

 denn die Hoffnung

ist das Leben,

und Verzweiflung

ist der Tod -

 

und so musst du

weiterstreben,

bis zum letzten

Gnadenbrot ...

 

5

 und der Haifisch

schmiedet Pläne,

und er fordert

dich heraus -

 

und auch du zeigst

ihm die Zähne,

doch du beißt sie

dir nur aus ...

 

6

 denn die Spitzen

der Gesellschaft

wissen nichts vom

kleinen Mann -

 

weil, wer sich ein

dickes Fell schafft,

keine Haut mehr

fühlen kann ...

 

7

 und die Liebe

ist der Hafen

und der Tod das

hohe Meer -

 

um die Schiffe

zu bestrafen,

gibt das Meer sie

nicht mehr her ...

 

8

 und die Sehnsucht

lässt uns leben,

die Erfüllung

bleibt ein Traum -

 

denn das Glück geht

oft daneben,

und von Dauer

ist es kaum ...

 

9

 denn der Krieg dient

nicht dem Frieden,

wer das wirklich

meint, der spinnt -

 

doch bis heut' ist

nicht entschieden,

wer von beiden

je gewinnt ...

 

10

 und die Blumen

auf den Wiesen

sind der Liebreiz

der Natur -

 

alle möchten

bloß genießen,

doch zerpflücken

sie sich nur ...

 

11

 denn wir alle

suchen ständig

in der Praxis

Harmonie -

 

und wir wissen

tausendbändig

nur das Was und

nicht das Wie ...

 

12

 denn das Herz möcht'

ja verzeihen,

doch der Kopf ist

voller Wut -

 

magst du diesen

nicht befreien,

fühlt sich jenes

auch nicht gut ...

 

13

 denn wer nicht liebt,

bleibt oft einsam,

und wer liebt, bleibt

selten frei -

 

und so lebt sich's

oft recht peinsam,

was für'n Mensch man

da auch sei ...

 

14

 denn die einen

woll'n es zwingen,

andre dulden

viel zu viel -

 

mit 'ner Spur von

beiden Dingen

hätt' die Mitte

mehr vom Spiel ...

 

15

 denn wer hasst, kennt

wenig Liebe,

und wer liebt, kennt

kaum noch Hass -

 

dass der Menschheit

beides bliebe,

darauf aber

ist Verlass ...

 

16

 und wie töricht

all die Zwiste,

das Bewusstsein

bleibt nicht aus:

 

jeder springt mal

in die Kiste,

doch sprang keiner

je heraus ...

 

17

 denn das Glück be-

ruht auf Leiden,

und das Leiden

harrt im Glück -

 

oft verschwindet

eins von beiden,

und das andre

kehrt zurück ...

 

18

 alle Sehnsucht

nach dem Leben

kennt am Ende

keinen Lohn -

 

warum für die

Liebe werben,

schließlich: wer ver-

steht sie schon ...

 

19

 das Gesunde

wird marode,

auch der Wald stirbt

nun total -

 

denn der Wahnsinn

hat Methode,

und der Irrsinn

wird normal ...

 

20

 nach der Liebe

kommt das Leiden,

und der Zwietracht

folgt der Zorn -

 

doch selbst Ehen

kann man scheiden,

und dann läuft das

Spiel von vorn ...

 

21

Freunde kommen,

Freunde gehen,

und so wird es

immer sein -

 

manchmal gibt's ein

Wiedersehen,

aber meist bleibt

man allein ...

 

22

 glaubst zu schieben,

wirst geschoben,

und du hast zu

früh gelacht -

 

denn man soll den

Tag nicht loben

vor dem Abend

und der Nacht ...

 

23

 die Enttäuschung

überpinseln,

weiter geht es:

vorwärts, los!

 

doch die Freude

wohnt auf Inseln,

und das Meer ist

riesengroß ...

 

24

 wenn du noch so

überzeugt scheinst,

bleib' der Skepsis

auf der Spur -

 

sag nicht ja , wenn

du doch nein  meinst,

Kompromisse

schaden nur ...

 

25

ist der Abschied

nicht zu fassen,

wo man einst die

Liebe sah -

 

hilft kein Tun, da

hilft nur Lassen,

das ist traurig,

aber wahr ...

 

26

 denn der Tod ist

oft ein Segen

und zugleich ein

schwarzes Loch -

 

ja, da hilft kein

Überlegen,

unabwendlich

kommt er doch ...

 

27

 nur die Liebe

sei der Weg und

sei das höchste

Lebensziel?

 

doch der Tod war

dein Beweggrund,

dass das Leben

erst gefiel ...

 

28

 denn wer ahnt schon,

was gescheh'n kann,

wird man krank, bleibt

man gesund -

 

denn die Kräfte,

die man sehn kann,

sind nur Wirkung,

nicht der Grund ...

 

29

 wer die andern

und sich selbst quält,

wird sich stets im

Kreise dreh'n -

 

der, für den nur

die Gewalt zählt,

wird gewaltsam

untergeh'n ...

 

30

 was nichts kostet,

kann nichts wert sein,

meint der Erzka-

pitalist

 

doch daran muss

'was verkehrt sein,

wie ihr schließlich

alle wisst ...

 

31

 dem Verzicht auf

die Erwartung

folgt das Glück ganz

unverhofft -

 

doch zur Lebens-

kunstentartung

führt das Haben-

wollen oft ...

 

32

 jede Krankheit

sei halt psychisch,

wie es heut' so

gerne heißt -

 

doch bewohnt ja

- metaphysisch! -

Leib und Seele

nur ein Geist ...

 

33

 auch der Haifisch

muss mal sterben,

denn der Tod ist

ganz gewiss -

 

auf Gedeih und

auf Verderben

macht er bald den

letzten Biss ...

 

34

 und die Lüge

zieht vom Leder,

und sie erntet

noch Applaus -

 

denn die Wahrheit

kennt ein jeder,

aber niemand

hält sie aus ...

 

35

 und man sonnt sich

in der Fülle

seiner Pose

nur zu gern -

 

doch der Kern ist

nicht die Hülle,

und die Hülle

nicht der Kern ...

 

36

 ob voll Sünde

oder Tugend,

ob alleine,

ob zu zwot -

 

nach der Kindheit

kommt die Jugend,

und der Reife

folgt der Tod ...

 

37

 alles Leben

ist gefangen

in dem eher-

nen Gesetz:

 

nach dem Tod bleibt

man vergangen,

alles andre

ist Geschwätz ...

 

38

 nach dem Tod ver-

liert das Streben

seinen lebens-

langen Rang

 

vor dem Tod kommt

noch das Leben,

doch das Vorspiel

währt nicht lang ...

 

39

 willst du ehrlich

sein, begreif' es:

Illusionen

sind naiv -  

 

Pessimismus

hat 'was Reifes,

Optimismus

geht oft schief ...

 

40

 denn das Sein kann

man nicht haben,

nimm den Abschied

nicht zu schwer -

 

wird der Haifisch

nun begraben,

folgst du bald schon

hinterher ...

 

41

 und das Schicksal

weiß es besser,

denn es hat die

Übersicht -

 

und es liefert

dich an's Messer,

doch warum, das

sagt es nicht ...

 

 42

 alles strebt nur

nach Vernichtung,

alles Leben

muss vergeh'n -

 

denn die Zeit hat

eine Richtung,

und sie bleibt auch

niemals steh'n ...

 

43

 wer zu reich ist,

macht sich Sorgen,

wer zu arm ist,

der erkrankt -

 

beide konnten

sich nur borgen,

was der Tod zu-

rückverlangt ...

 

 44

 wer nichts tut,

gilt als Versager,

wer zuviel tut,

lebt im Stress -

 

wechselt man auch

mal das Lager,

nützt das gar nichts

mehr indes ...

 

45

 denn der eine,

der ist tüchtig,

und der andre,

der ist dumm -

 

doch ist beides

nicht so wichtig,

deine Zeit ist

eh bald um ...

 

46

 denn der Tod hat

leise Sohlen,

weil man gern durch's

Leben döst -

 

wolltest gerade

Atem holen,

war auch dies Pro-

blem gelöst ...

 

47

 denn die einen

sind ganz anders

und die andern

etabliert -

 

doch den Sinn des

Miteinanders

haben beide

nicht kapiert ...

 

48

 was bringt all das

Mordsgetue

und das Über-

angebot

 

denn die Kraft liegt

in der Ruhe,

und am ruhigsten

ist der Tod ...

 

49

 wo man hobelt,

fallen Späne,

und das fühlt sich

nie gut an -

 

und der Haifisch

wetzt die Zähne,

dass er besser

hobeln kann ...

 

50

 ist das Leben

auch verderblich,

pflanzt es sich doch

ständig fort -

 

und der Tod nur

ist unsterblich,

und das war mein

letztes Wort ...!

  

* * *

 

 

zeit-bombe

 

denn am anfang

war das nichts,

und erst viel später

kam das sein -

und dazwischen

schlug die schöpfung

wie 'ne wahre

bombe ein

 

erst ein urknall,

was auch immer

dieses wort

bedeuten mag,

dann materie

und bewusstsein,

von der wiege

bis zum sarg

 

und der tod liegt

auf der lauer,

wer gejagt wird

den erwischt's -

denn das sein ist

nicht von dauer,

und am ende

steht das nichts ...

 

 

Bertold Brecht 1898-1956  zu Ehren

Die Moritat von Mackie Messer

aus der Dreigroschenoper (1928) von Bertold Brecht

 (Und der Haifisch, der hat Zähne...)

 * * * * * * *

 Neue Schlußstrophender Moritat von Mackie Messer  (1948)

 (Und die Fische, sie verschwinden!...)

 

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© Dr. Hilmar Alquiros The Philippines 2002 ff.